Konstanz - Grenoble - Montpellier
Die 100 Seen-Tour. Der Blog zu meiner Fahrradtour durch die Schweiz und Frankreich. 1.300 km über Konstanz - Bregenz - Luzern - Bern - (Genf) - Grenoble - Gap - Sisteron - Aix-en-Provence - Saintes-Maries-de-la-Mer nach Montpellier.
Dienstag, 25. September 2012
Donnerstag, 20. September 2012
Credits
- den vier Leuten in Zug, die nach meinem Sturz da waren
- Nina, die mich in Rapperswil besucht hat, und Markus, der mich in Zug besucht hat
- den zwei Radfahrern, die mich mitten in den Alpen mit "Bonjour camerade!" begrüsst haben und gefragt haben, wo es hingeht
- die Hotelbesitzerin in Sisteron, die mir "bon courage!" gewünscht hat
- die Bäckereiverkäuferin in Grenoble, die ich mit meinem Halbfranzösisch so aus dem Konzept gebracht habe, dass sie mir schon am frühen Morgen "bonne soiree" gewünscht hat
- David Lailach, der hier irgendwo in einer Boulangerie arbeitet und die Welt verbessert
- der Vermieterin des Appartments in Lattes, die mir von sich aus einen erheblichen Preisnachlass gewährt hat
- der Besitzerin und den Kellnern des Beaurivage in Le Bourget du Lac für das hervorragende Essen und die Top-Bedienung.
- der Japanerin, die vor der Pilatus-Bahn ein Bild von ihr und mir haben wollte
- dem Mitarbeiter des Veloladens zwischen Zug und Luzern, der mir meine Kette geschmiert hat, ohne etwas dafür zu verlangen
- dem quietschenden Kellner in Vitrolles, der uns durch seine Art zum Lachen gebracht hat
- dem Kellner in Montpellier, der bereitwillig die Speisekarte erklärt hat, weil wir nichts verstanden haben
- der Mitarbeiterin des Office de Tourisme in Lattes, die uns mit Unterlagen zugeschüttet hat, weil wir vermutlich die einzigen Touristen des ganzen Tages oder der ganzen Woche gewesen sind
- der sehr freundlichen Mitarbeiterin der Schweizerischen Bundesbahnen am Schalter in Murten
- sowie last but not least allen, die durch ihre Kommentare im Blog Kontakt zu mit gehalten haben
Mittwoch, 19. September 2012
Zahlen und Fakten
- Kilometer auf dem Fahrrad: 1.267
- Länge einer durchschnittlichen Tagestour: 50 - 70 km
- Länge der kürzesten Tagestour: 33 km (wegen Regen)
- Länge der längsten Tagestour: 102 km (von Genf nach Kw Bourget du Lac)
- Durchschnittsgeschwindigkeit: ca. 16 km/h
- Temperatur am Nachmittag: zwischen 18 und 30 Grad
- Gewicht des Gepäcks: knapp 20 Kilo
- max. Höhe über N.N.: 1.248 m
- Gesamt-Höhenmeter der Tour: 10.183 m
- maximale Tageshöhe: 1.096 m
- maximale Geschwindigkeit: 42,7 km/h
- durchschnittliche Fahrzeit pro Tag auf dem Rad: 4,5 Stunden
- maximale Tages-Fahrzeit auf dem Rad: 6 Stunden, 53 Minuten
- Tage auf dem Rad: 20
- Tage frei: 1 (in Grenoble)
- Stunden auf dem Rad: 87,5
- Anzahl Platten: 0
- Anzahl Stürze: 1 (so ein Mist)
- Anzahl technische Defekte: 0
- sonstige Verluste: 0
- Schäden: 0
- Durchschnittsverbrauch an Getränken pro Tag: 4 Liter
- Anzahl Regentage: einer plus ein halber (weiteren Regentag durch Zugfahrt geschwänzt)
- Durchschnittspreis für ein Einzelzimmer: 80 EUR (in der Schweiz viel zu teuer!)
- Durchschnittspreis für einen Café au lait: 2,50 EUR
- Durchschnittspreis für ein Baguette: 90 Cent
- Typisches Frühstück, wenn nicht im Hotel: 1 Café au lait, 1 Pain au chocolat
- Hundeangriffe: keiner! (gab's noch nie!)
- um Wechselgeld beschissen worden (bewusst): 1 mal (in der Schweiz).
- von der Polizei angehalten worden: 0 mal
- andere Radreisende gesehen: 2 mal
- Rennradfahrer gesehen: > 200 (nur samstags und sonntags)
- Rentner-Radfahrer am Bodensee gesehen: über 200
- Alltags-Radfahrer in Frankreich gesehen: < 30
- Anzahl unfreundliche Hoteliers und Barpersonal: keine
- Anzahl freundliche Leute: 1.452
- Anzahl tolle Erlebnisse und unwiderrufbare Eindrücke: > 1 Mio.
Resümee Frankreich
Ich war natürlich auch schon ein paar Mal da, aber das letzte Mal ist auch schon länger her. Ich hatte es bezüglich der Freundlichkeit schlechter in Erinnerung, aber wahrscheinlich haben wir uns eher zum Negativen entwickelt - deshalb fällt es einem wohl viel mehr auf, wenn die Menschen in anderen Ländern viel freundlicher und respektvoller miteinander umgehen...
Was mir gut gefallen hat:
- sehr freundliche und hilfsbereite Leute
- dass man noch Zeit für ein Lächeln hat
- dass man sehr höflich und respektvoll miteinander umgeht
- dass man beim Wechselgeld nicht beschissen wird
- dass die Baguettes und Croissants sehr viel besser als in Deutschland schmecken
- die familiären Logis de France-Hotels
- dass auch der Massentourismus noch ein gewisses Niveau hat
- dass ein Abendessen immer ein gepflegtes Ereignis ist
- dass mittlerweile recht viel für Radfahrer getan wird
- dass im Wesentlichen Abstand beim Überholen gehalten wird.
Was mir nicht gefallen hat:
- die riesigen Industriekomplexe in der Nähe von Marseille
Wieder zu Hause!
Der Kühlschrank ist leer. Deshalb sitze ich erst mal in meinem Lieblingscafé um die Ecke und esse ein Stück Kuchen.
Spätestens am Montag werde ich gefragt: wie war die Tour? - Ich glaube, ich muss das erstmal sacken lassen. Wahnsinnig viele Eindrücke von ganz unterschiedlichen Landschaften und ganz unterschiedlichen Städten und Menschen.
Wie kann man die Postkarten-Schweiz, die Alpen, die Provence, die Camargue und die französische Mittelmeerküste in zwei Sätzen zusammenfassen? - Das geht einfach gar nicht.
Jede Region hat ihren eigenen Reiz. Jede Region hat ihre typischen Besonderheiten.
Beim Radfahren erlebt man diese sehr intensiv. Der Weg ist das Ziel. Nicht Autobahnen, auf denen man an allem vorbeirauscht, sondern kleine Nebenstraßen, auf denen man alles aus nächster Nähe betrachten kann.
In einer Geschwindigkeit, die es einem erlaubt, jederzeit stehen zu bleiben und die Wunder des Lebens zu entdecken und genießen zu können.
Die Langsamkeit neu zu entdecken. Im wahrsten Sinne des Wortes zu "erfahren", wie viel Landschaft und wie viele Details zwischen hier und Südfrankreich liegen - eine Strecke, die man mit dem Flugzeug problemlos im zwei Stunden zurücklegen kann, für die ich aber drei Wochen gebraucht habe.
Zu erfahren, wie lange die Menschen vor hundert Jahren gebraucht haben mögen, um eine solche Strecke zurückzulegen, und wie beschwerlich es gewesen sein mag.
Zu sehen, wie die Menschen passend zu ihrer Region leben: von Kühen und Milchproduktion in der Schweiz, vom Weinanbau in der Provence oder vom Fischfang am Mittelmeer.
Und zu sehen, wie sich diese ursprünglichen Lebensformen heute weiterentwickelt haben: Die Hightech-Metropole Montpellier, der Touristen- und Wallfahrtsort Saintes Maries de la Mer oder das nur vom Flughafen Marseille lebende Vitrolles.
Landschaften, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: der Bodensee, die Schweizer Alpen, der Genfer See, der Pilatus, die Provence, die Camargue, ...
Menschen, die sehr unterschiedlich sind: die eigenwilligen Schweizer, die stolzen Franzosen, die Touristen am Mittelmeer, die Pferdezüchter in der Camargue, die Weinbauern in der Provence. Unendlich ließe sich diese Liste fortführen.
Jede Radtour hat etwas von Jakobsweg: authentisches Leben zu erfahren, außerhalb von künstlichen Spieleparadiesen und Shoppingcentern...
Hm. Und was antworte ich nun auf die Frage am Montag "Wie war die Tour?"
Vitrolles: Was für ein Zufall!
Da!
Nun noch das Fahrrad am Sperrgepäckschalter abholen und erstmal wieder auspacken. 10 Meter Luftpolsterfolie habe ich verwendet. Und mindestens eine halbe Rolle Klebeband - beides übrigens in sehr schlechter Qualität: das Klebeband ist ständig gerissen und bei der Luftpolsterfolie war in den meisten Luftblasen gar keine Luft mehr drin - was natürlich den Schutzeffekt auf ein Minimum reduziert. Muss man nun schon an Luft sparen???
Nach dem Auspacken zusammenbauen: Die Pedale müssen wieder angeschraubt werden, der Lenker wieder in Fahrtrichtung gedreht und der Sattel hochgestellt werden. Dann ein Check, ob alles in Ordnung ist und letztlich Satteltaschen drauf und Helm auf.
Die Leute haben schon komisch geguckt, als ich in voller Ausstattung aus der Sicherheitssperre am Flughafen kam... ;-)
Flug Marseille - Frankfurt
Auch nach zig Flügen ist Fliegen immer noch etwas Besonderes. Auch wenn ich frequent Traveller wäre, würde ich wahrscheinlich immer noch bei jedem Flug aus dem Fenster schauen und das Wunder des Fliegens betrachten. Einfach genial.
Nach dem Check-in
Begonnen hat der Morgen ganz normal. Wir haben gefrühstückt und die letzten Sachen zusammengepackt.
In dem Moment, wo wir die Sachen inklusive Fahrrad nach unten bringen wollten, gab es einen Alarm: alle sollten das Hotel verlassen.
Das blöde daran: die Aufzüge haben nicht mehr funktioniert. Ich also das Fahrrad aus dem zweiten Stock ins Erdgeschoss getragen. Danach die Satteltaschen.
Unten dann entsprechendes Chaos. Keiner wusste was.
Irgendwann hieß es dann, es sei ein Fehlalarm und wir konnten auschecken.
Ich war etwas geladen. Ich lasse mir bei jeder Übernachtung einen Stempel des Hotels geben. Als Erinnerung an die Orte, wo ich überall schon mal war. Als ich dies auch hier getan habe und die Dame dann meinte, das sei das erste Mal, dass jemand einen Stempel verlangt, sagte ich ihr, ich sei Hoteltester - woraufhin sie mich extrem freundlich verabschiedete... ;-)
Es gab einen Shuttle-Service zum Hotel. Der Fahrer wusste leider nicht, wie man die Sitze umklappt. Also haben wir das Velo quer auf die hinteren sechs Sitze gelegt und uns daneben irgendwie reingezwängt.
Als das geschafft war, ging es zum Check-in. Ein gelangweilter Check-in-Mitarbeiter hat unsere Gepäckstücke entgegen genommen. Die Beförderungsgebühr für das Fahrrad musste ich noch bezahlen. Laut Lufthansa sind dies 50 EUR - haben wollte die Dame zunächst 80 EUR - nach meinem Protest hat sie sich dann auf 60 EUR herunterhandeln lassen. Angeblich gäbe es eine Taxe en France - deshalb seien es hier 60 EUR. Die Dame hat natürlich kein englisch und erste recht kein deutsch gesprochen, weshalb weitere Diskussion schwierig war. Wieder ein Grund für eine Reklamation bei Lufthansa. Zum Kotzen.
Nachdem ich bezahlt hatte, konnte ich dann immerhin das Fahrrad am Sperrgepäckschalter aufgeben, was recht problemlos geklappt hat. Das Fahrrad wurde durch einen Riesenröntgenapparat durchschoben...
Jetzt sitze ich in einem ausgesprochen leeren Flughafen und warte auf den Flug.
Dienstag, 18. September 2012
Vitrolles
Wir sind in einem typischen Flughafenhotel. Wir sind nur deshalb hier, weil es von Montpellier zwar Flüge nach Deutschland gibt, aber entweder mit Ryanair nach Hahn spätabends - was für mich das Problem gegeben hätte, dass ich dann noch in Hahn hätte übernachten müssen und von dort aus nur sehr schlecht, wenn überhaupt, nach Darmstadt gekommen wäre.
Flüge mit der Lufthansa hätte es auch gegeben, aber nur nach München. Aber da dies kleine Maschinen sind, nehmen diese keine Fahrräder mit. Also auch keine Alternative.
Dann gibt es noch Flüge über Paris nach Deutschland, das aber mit Flughafenwechsel Orly - Charles de Gaulle. Also auch nichts für mich und mein Fahrrad.
So blieb Vitrolles. Ein einziges Gewerbe- und Industriegebiet.
Montpellier - Vitrolles
Fahrrad im Zug mitnehmen ist immer ein Abenteuer - und im Ausland noch mehr. Es gibt Fahrradabteile in den französischen Zügen, aber die sind schlecht gekennzeichnet und die Züge waren voll.
Wie auch immer: es hat ganz gut geklappt.
In Vitrolles musste ich dann noch einen Baumarkt suchen und anschließend das Fahrrad für den Flug verpacken.
Das war eine größere Sache, denn diese Gegend ist absolut auf Autofahrer ausgelegt: Einkaufszentren und Gewerbegebiete, Schnellstraßen und Lkws, große Kreisel und Autobahnen...
Nix für mich. Ist halt Großraum Marseille.
Montag, 17. September 2012
Noch ein Beispiel
Preisfrage:
Wie viele Fenster sind echt? - Wir haben fünf gezählt.
Wie viele Personen sind echt? - Wir haben vier gezählt.
Letzter Tag - nochmal in Montpellier
Entdeckt haben wir phantastische Hausmalereien, von denen es etwa acht Stück in der Stadt gibt.
Es handelt sich jeweils um Hauswände, die aus nichts weiter als aus einer schmucklosen, in der Regel fensterlosen Wand bestehen - die aber so toll und plastisch bemalt sind, dass man drei Mal hinschauen muss: was ist nun echt und was ist nur gemalt?
Das beste Beispiel ist das Bild: die beiden Wände rechts und links sind in Wahrheit plan wie eine Scheibe - das kleine, offenstehende Fenster und die Bäume davor sind echt - alles andere ist gemalt - aber so toll! Es gibt in Wirklichkeit keine runde Gebäudefront und keine Fenster links, und keine Ecken des Hauses und keine Frau am Fenster rechts.
Einfach genial!
http://www.trompe-l-oeil.info/Murspeints/index.php?sessionid=9b4c2afc52291289dbead21a9131b8db
Am Strand
Das Wasser war durchaus noch angenehm und man konnte gut schwimmen.
Ein wirklich schöner Tag.
Tag am Meer
Auf einem neu angelegten Radweg ging es zunächst an mehreren Pferdegestüten vorbei. Hier scheinen echte Schönheiten gezüchtet zu werden: von weißen Schimmeln bis zu pechschwarzen Arabern war alles dabei. Ein Pferd hatte einen Irokesenschnitt, ein anderes,ein Schimmel zwar einen weißen Körper, aber eine schwarze Mähne. Hatte ich so vorher noch nicht gesehen.
Dann ging es weiter an dem Meer vorgelagerten flachen Seen, auf denen sich Flamingos tummelten. Ein schöner Anblick.
Dann gelangten wir zurück in die Zivilisation. Der Ort am Meer, Palavas, ist mit Kanälen durchzogen und quasi ein einziger Hafen für kleine Boote. Ein Ferienort mit Restaurants und Andenkenshops, aber durchaus hübsch! Hier gibt es fast nur Franzosen.
Nach dem Zentrum beginnt ein kilometerlanger Sandstrand. Es ist keine Saison mehr. Dementsprechend leer und angenehm war es, hier mit dem Fahrrad entlang zu fahren.
Das interessanteste bis hierher war, dass sich auf dieser kurzen Strecke - von unserem Hotel bis hierher sind es 8 km - die Welt total ändert: von bäuerlichen Pferdegestüten über naturbelassenen Seen mit Flamingos nun plötzlich im quirligen Ferienort.
Feiner Sand, strahlender Sonnenschein - ein sehr schöner Tag.
Samstag, 15. September 2012
Montpellier
Wir waren dann in Montpellier.
Das ist auch eine wahnsinnig tolle Stadt. Imposante Gebäude, schöne Plätze und ein junges Publikum. 60.000 Studenten. Wenig Touristen. Eine sehr sympathische Atmosphäre!
Viele Parks und Grünanlagen und eine sehr saubere Stadt.
Die ganzen Häuser sind in einem hellen beige gehalten. Dazu der strahlende, tiefblaue Himmel und der Sonnenschein - jeder Straßenzug ein wahnsinnig tolles Bild.
Montpellier ist für mich von der Rangliste auf gleicher Höhe wie Aix-en-Provence: absolut klasse Stadt, in der es sich gut leben lässt. Merkwürdig, dass man Sie in Deutschland nicht weiter kennt.
Heute am Samstag waren überall in der Fußgängerzone Straßenmusikanten unterwegs. Nachdem wir uns die Innenstadt angeschaut haben, haben wir dann noch etwas auf einem der vielen Plätze gegessen: typisch französisch mit Vorspeise, Hauptspeise, Rotwein.
Auch hier wieder - wie bisher überall in Frankreich - sehr zuvorkommende und freundliche Bedienung, die uns die Punkte der Speisekarte bereitwillig erklärt hat, mit denen wir mit unseren mangelnden Französischkenntnissen überhaupt nichts anfangen konnten. Wir haben uns dann einfach auf die Empfehlung verlassen und es war sehr gut!
Freitag, 14. September 2012
Blick von der Terasse
Umgeben ist das ganze von einem riesigen Park. Ein Schwimmbad gibt es auch. Wir haben die einzige Wohnung im Dachgeschoss - mit schönen Ausblick von der Dachterasse.
Es ist strahlender Sonnenschein und keine Wolke am Himmel. Was will man mehr?
Am Ziel: Lattes
Aigues-Mortes
Fazit zu Camargue: absolut sehenswert!
21. Tag: Saintes-Maries-de-la-Mer - Montpellier, 65 km
Heute morgen ging es los bei strahlendem Sonnenschein am Meer. Es ist Mistral-Wetterlage. Mistral ist der kalte Wind, der das Rhone-Tal herunter weht, wenn der Wind aus Norden kommt, der aber immer tiefblauen Himmel und strahlenden Sonnenschein mitbringt.
Entsprechend war es heute morgen: kühl, aber wunderschön!
Meine Tour führte mich durch den eher bewirtschafteten Teil der Camargue. Ganz im Gegensatz zu gestern gibt es dann hier einzelne Gehöfte, Felder, Pferdegestüte (mit weißen Pferden natürlich!), Rinderzucht, Urlaub auf dem Bauernhof usw.
Heute also keine Mondlandschaft, sondern weites grünes naturbelassenes Land. Hat mir sehr gut gefallen. Die Camargue ist auf jeden Fall eine Reise Wert!
Mittwoch, 12. September 2012
Saintes-Maries-de-la-Mer
Saintes-Maries-de-la-Mer ist der einzige wirkliche Ort in der Camargue. Rund herum nur Natur. Und halt das Meer.
Der Ort ist ziemlich touristisch. Hier gibt es alles: Tapas, provençalische Spezialitäten, Pizza, Sushi, Paella,... Und in den Geschäften all das, was man nicht braucht: Anhänger, Postkarten, Ketten, usw. Alles da. Schnick und Schnack.
Im recht kleinen Zentrum reiht sich Restaurant an Restaurant und Shop an Shop. Zum Glück ist es nicht mehr Saison und heute Abend auch eher kühl - sonst wär hier die Hölle los. Wenigstens gibt es keine Hotelburgen: 2-3 Stockwerke ist das Maximum. Die Kirche ist wirklich das höchste Gebäude.
Ein Highlight ist die Kirche allerdings: hier sind die zwei Marien des Meeres begraben, aber bekannt ist der Ort viel mehr durch ihre dunkelhäutige Dienerin Sarah, die eine Zigeunerin gewesen sein soll. Und das macht den Ort einmal im Jahr zu DEM Wallfahrtsort für Zigeuner.
@Jupp: Gruß zurück!
Route barrée
Eigentlich nur für Autofahrer. Aber da die Steine so platziert sind, dass man auch mit dem Fahrrad nicht vorbei kommt, hieß es: Gepäck abschnallen und Gepäck und Fahrrad rüberheben...
Camargue
Von da an beginnt die Camargue. Es gibt noch einen verschlafenen Ort, aber dann ging es auf holprigen Feldwegen oder Deichen durch menschenleeres Gebiet.
Nur Natur. Eine riesige Weite. Flach wie eine Scheibe. Die Wege meist ein bisschen erhöht, einen Meter oder so. Daneben dann rechts und links entweder eine Art Steppe, die mich sehr an die Pusta in Ungarn erinnert hat. Oder Seen, die entweder noch Wasser führen oder ausgetrocknet sind. Sie sind höchstens ein paar cm tief.
Ich habe Flamingos gesehen, sowie die berühmten weißen Pferde der Camargue. Und schwarze Rinder.
Die meisten Seen waren ausgetrocknet und haben sich in eine Art Mondlandschaft verwandelt. Ein ganz eigentümliches Bild: eine leicht erhöhte Holperpiste führt kilometerlang durch Steppen und Mondlandschaften - ein Bild, wie ich es vorher so noch nie gesehen habe. Vor allem wegen ihrer Weite und der eigentümlichen Farben. Die Camargue ist schon etwas ganz Besonderes. Und das war sicher ein Highlight heute!
Ich bin vor den Schnaken gewarnt worden: in einem Reisebericht im Internet stand, dass einem die Biester sogar während der Fahrt auffressen. Das war allerdings überhaupt kein Problem: da die meisten Seen ausgetrocknet waren, gab es auch keinen Lebensraum für die Plagegeister.
Für mich ein Vorteil. Ich nehme an, dass das Bild der Camargue im Frühjahr ein ganz anderes ist: die Seen werden nicht ausgetrocknet sein und man wird viel mehr Wasservögel beobachten können. Dafür bekommt man es dann aber auch mit den Moskitos zu tun...
20. Tag: Istres - Saintes-Maries-de-la-Mer, 65 km
Das Problem dabei ist, dass die Karten bei kleinen Straßen nicht so genau sind, dass man sich hundertprozentig darauf verlassen kann. Ich habe schon oft auf einer Radtour vor einem Fluss oder einer Eisenbahnlinie gestanden, an dem es mal eine Brücke gab - die es nun aber nicht mehr gab, und wo ich dann einen Umweg fahren musste.
Wenn dies heute passiert wäre, wäre das der Super-Gau gewesen: mit meiner Straßenkarte wäre ich nicht viel weiter gekommen. Und wenn, dann hätte es einen riesigen Umweg bedeutet - und um dann nicht zu wissen, ob die Alternative vielleicht genauso schlecht gewesen wäre...
Den ersten Schock gab es heute Morgen: ich war noch keinen km gefahren - das Hotel war noch in Sichtweite -, da stand ich vor einem Schild "Kraftfahrtstraße", an der Straße, wo ich lang wollte. Also nix mit Fahrrad.
Aber war sollte ich machen? - Ich musste diese Straße nehmen. Alles andere hätte einen Umweg von sicher 50 km bedeutet und damit die ganze Tagesetappe in Frage gestellt.
Also bin ich auf die Kraftfahrtstraße - und oh Wunder: nach nicht mal einem km kam die Aufhebung. Grund war wohl eine recht enge Brücke. Aber da bin ich in diesem Urlaub schon ganz anderes gewöhnt..
Der weitere Weg war erstmal nicht so toll. Ich war in der Gegend von Fos sur Mer, laut Reiseführer dem "Ruhrgebiet Frankreichs". Das hieß: tausende von Lkws um mich herum, vierspurige Straßen und eine Gegend, die alles andere als attraktiv war...
Schon interessant, dass es östlich der Rhone ein riesiges Industriegebiet in dieser menschenleeren Gegend gibt, während westlich davon Naturschutzgebiete sind. Der Gegensatz könnte krasser nicht sein.
Dienstag, 11. September 2012
Istres
Das Bild zeigt den Ausblick aus dem Hotelfenster...
Laut Navigationsgerät bin ich hier übrigens nur 1 m über dem Meeresspiegel (auf dem Parkplatz - im Zimmer sind es 14 m). Hier ist es absolut flach.
Morgen wird es trotzdem anstrengend: ich will auf Feldwegen und auf einem Deich durch die Camargue bis Saintes-Maries-de-la-mer - gegen den Wind und von Schnaken verfolgt...
19. Tag: Aix-en-Provence - Istres
Zunächst ging es aus Aix heraus. Der Bewuchs war nun deutlich mediteraner geworden: Kiefernwälder bestimmten das Bild. Gelegentlich gab es nochmal ein schönes Gehöft. Die Straße war recht stark befahren.
Dann kam ich an den Etang de Berre, der größte See Südfrankreichs. Hier ging es eine Zeitlang durch Industriegebiete. Nicht sonderlich attraktiv.
Interessant war es, ein Wasserflugzeug auf dem See landen und wieder starten zu sehen.
Erst im weiteren Verlauf wurde es schöner: es gab eine schöne Küstenstraße mit schönen, alten Kiefern und tollen Ausblicken auf den See.
Die Gegend an sich ist nicht unattraktiv, aber touristisch ziemlich unerschlossen. Es wirkt auf mich wie eine Fahrt durch die Ostslowakei wo die Menschen noch nicht gemerkt haben, dass man eigentlich sehr viel mehr machen kann.
Also, Raucher sind schon eine komische Spezies
Montag, 10. September 2012
Aix-en-Provence
Die ganze Stadt erscheint harmonisch in Gelb- und Ockertönen. In der Abendsonne ist dies ganz besonders schön, wenn durch die Gassen der Altstadt das klare Licht der Sonne scheint und der Himmel blau ist.
Die Häuser haben alle die langen Fenster und Läden, die bis zum Fußboden gehen. Davor ist meist ein nicht hohes, schmiedeeisernes Gitter.
Die ganze Stadt ist ein einziges Freiluftrestaurant. Es gibt zig Plätze in der Altstadt, auf denen es Bars, Cafés, Restaurants, ... gibt - ein Platz schöner als der andere! Bei lauen Temperaturen sitzt man da und erzählt oder man steht mit vielen anderen einfach auf der Straße mit seinem Glas Wein in der Hand. Ich meine: wenn man nicht alleine ist, wie ich, natürlich...
Es gibt eine Prachtstraße / Flaniermeile, auf der haushohe Platanen stehen und an dessen Ende sich ein Springbrunnen befindet. Die rechte Seite ist mit Restaurants gepflastert - einfach optimal, um Leute zu beobachten.
Die Stadt hat etwas Spanisches. Von der Ausgehkultur kommt sie durchaus an Madrid heran.
Es gibt sehr viele junge Leute. Von den älteren haben einige einen "künstlerischen Touch": sie sehen so aus, wie Leute, die Bilder malen oder eine Galerie besitzen. Banker hingegen hab ich keine gesehen (wie sahen die nochmal aus??).
Touristen gibt es auch, aber es hält sich in Grenzen und sie fügen sich sehr gut in das allgemeine Stadtbild ein.
Ich habe sehr viele Bilder gemacht und bin aus den Staunen gar nicht mehr herausgekommen. Die Stadt hat eine sehr angenehme Atmosphäre.
Im Reiseführer steht: "Nach der Stadt befragt, in der sie am Liebsten wohnen möchten, antworteten die meisten Franzosen mit Aix-en-Provence."
Ich weiß jetzt warum.
Der zweite Teil der Etappe: Provence aus dem Bilderbucj
Der Boden war richtig rotbraun und es gab viele mit dem ganz besonderen Geruch, den Kiefernwälder aussenden.
Dann Weintrauben und Olivenhaine, und zwischendrin immer mal ein Gehöft.
Und dann als Krönung drei Châteaus, die EUR in einem Dornrößchenschlaf liegen und noch keinen Touristen gesehen haben. Hmmm.... Einfach schön!
Wer das geplant hat, gehört bestraft
Nicht nur dass es Unsinn ist - es hat noch eine Menge Geld gekostet. Ein einfacher weißer Strich hätte es auch getan...











































