Mittwoch, 12. September 2012

Gute Idee!

Für nackte Männer verboten!

Saintes-Maries-de-la-Mer

Ich bin am Mittelmeer!! - Vom Schwäbischen Meer bis zum Mittelmeer. Und jetzt noch einen Tag nach Montpellier!

Saintes-Maries-de-la-Mer ist der einzige wirkliche Ort in der Camargue. Rund herum nur Natur. Und halt das Meer.

Der Ort ist ziemlich touristisch. Hier gibt es alles: Tapas, provençalische Spezialitäten, Pizza, Sushi, Paella,... Und in den Geschäften all das, was man nicht braucht: Anhänger, Postkarten, Ketten, usw. Alles da. Schnick und Schnack.

Im recht kleinen Zentrum reiht sich Restaurant an Restaurant und Shop an Shop. Zum Glück ist es nicht mehr Saison und heute Abend auch eher kühl - sonst wär hier die Hölle los. Wenigstens gibt es keine Hotelburgen: 2-3 Stockwerke ist das Maximum. Die Kirche ist wirklich das höchste Gebäude.

Ein Highlight ist die Kirche allerdings: hier sind die zwei Marien des Meeres begraben, aber bekannt ist der Ort viel mehr durch ihre dunkelhäutige Dienerin Sarah, die eine Zigeunerin gewesen sein soll. Und das macht den Ort einmal im Jahr zu DEM Wallfahrtsort für Zigeuner.

@Jupp: Gruß zurück!

Hübsch angelegter Campingplatz

Route barrée

Hier ging es nicht weiter.

Eigentlich nur für Autofahrer. Aber da die Steine so platziert sind, dass man auch mit dem Fahrrad nicht vorbei kommt, hieß es: Gepäck abschnallen und Gepäck und Fahrrad rüberheben...

Flamingos

Mondlandschaft

Weiße Pferde

Camargue

Im weiteren Verlauf habe ich dann die Lkws hinter mir gelassen. Mit einer Fähre ging es über die Rhone, die hier ins Meer mündet und die ich das letzte Mal in Genf gesehen habe.

Von da an beginnt die Camargue. Es gibt noch einen verschlafenen Ort, aber dann ging es auf holprigen Feldwegen oder Deichen durch menschenleeres Gebiet.

Nur Natur. Eine riesige Weite. Flach wie eine Scheibe. Die Wege meist ein bisschen erhöht, einen Meter oder so. Daneben dann rechts und links entweder eine Art Steppe, die mich sehr an die Pusta in Ungarn erinnert hat. Oder Seen, die entweder noch Wasser führen oder ausgetrocknet sind. Sie sind höchstens ein paar cm tief.

Ich habe Flamingos gesehen, sowie die berühmten weißen Pferde der Camargue. Und schwarze Rinder.

Die meisten Seen waren ausgetrocknet und haben sich in eine Art Mondlandschaft verwandelt. Ein ganz eigentümliches Bild: eine leicht erhöhte Holperpiste führt kilometerlang durch Steppen und Mondlandschaften - ein Bild, wie ich es vorher so noch nie gesehen habe. Vor allem wegen ihrer Weite und der eigentümlichen Farben. Die Camargue ist schon etwas ganz Besonderes. Und das war sicher ein Highlight heute!

Ich bin vor den Schnaken gewarnt worden: in einem Reisebericht im Internet stand, dass einem die Biester sogar während der Fahrt auffressen. Das war allerdings überhaupt kein Problem: da die meisten Seen ausgetrocknet waren, gab es auch keinen Lebensraum für die Plagegeister.

Für mich ein Vorteil. Ich nehme an, dass das Bild der Camargue im Frühjahr ein ganz anderes ist: die Seen werden nicht ausgetrocknet sein und man wird viel mehr Wasservögel beobachten können. Dafür bekommt man es dann aber auch mit den Moskitos zu tun...

20. Tag: Istres - Saintes-Maries-de-la-Mer, 65 km

Vor dem heutigen Tag hatte ich ehrlich gesagt ein bisschen Bammel. Ich hatte mir die Route durch die Camargue im Internet zwar genau angeschaut, aber es waren keine Straßen, auf denen ich die meiste Zeit fahren wollte, sondern Feldwege oder auf Deichen.

Das Problem dabei ist, dass die Karten bei kleinen Straßen nicht so genau sind, dass man sich hundertprozentig darauf verlassen kann. Ich habe schon oft auf einer Radtour vor einem Fluss oder einer Eisenbahnlinie gestanden, an dem es mal eine Brücke gab - die es nun aber nicht mehr gab, und wo ich dann einen Umweg fahren musste.

Wenn dies heute passiert wäre, wäre das der Super-Gau gewesen: mit meiner Straßenkarte wäre ich nicht viel weiter gekommen. Und wenn, dann hätte es einen riesigen Umweg bedeutet - und um dann nicht zu wissen, ob die Alternative vielleicht genauso schlecht gewesen wäre...

Den ersten Schock gab es heute Morgen: ich war noch keinen km gefahren - das Hotel war noch in Sichtweite -, da stand ich vor einem Schild "Kraftfahrtstraße", an der Straße, wo ich lang wollte. Also nix mit Fahrrad.

Aber war sollte ich machen? - Ich musste diese Straße nehmen. Alles andere hätte einen Umweg von sicher 50 km bedeutet und damit die ganze Tagesetappe in Frage gestellt.

Also bin ich auf die Kraftfahrtstraße - und oh Wunder: nach nicht mal einem km kam die Aufhebung. Grund war wohl eine recht enge Brücke. Aber da bin ich in diesem Urlaub schon ganz anderes gewöhnt..

Der weitere Weg war erstmal nicht so toll. Ich war in der Gegend von Fos sur Mer, laut Reiseführer dem "Ruhrgebiet Frankreichs". Das hieß: tausende von Lkws um mich herum, vierspurige Straßen und eine Gegend, die alles andere als attraktiv war...

Schon interessant, dass es östlich der Rhone ein riesiges Industriegebiet in dieser menschenleeren Gegend gibt, während westlich davon Naturschutzgebiete sind. Der Gegensatz könnte krasser nicht sein.