Mittwoch, 19. September 2012

Zahlen und Fakten

Zum Schluss noch ein paar Zahlen und Fakten zur Tour:

- Kilometer auf dem Fahrrad: 1.267
- Länge einer durchschnittlichen Tagestour: 50 - 70 km
- Länge der kürzesten Tagestour: 33 km (wegen Regen)
- Länge der längsten Tagestour: 102 km (von Genf nach Kw Bourget du Lac)
- Durchschnittsgeschwindigkeit: ca. 16 km/h
- Temperatur am Nachmittag: zwischen 18 und 30 Grad
- Gewicht des Gepäcks: knapp 20 Kilo
- max. Höhe über N.N.: 1.248 m
- Gesamt-Höhenmeter der Tour: 10.183 m
- maximale Tageshöhe: 1.096 m
- maximale Geschwindigkeit: 42,7 km/h
- durchschnittliche Fahrzeit pro Tag auf dem Rad: 4,5 Stunden
- maximale Tages-Fahrzeit auf dem Rad:  6 Stunden, 53 Minuten
- Tage auf dem Rad: 20
- Tage frei: 1 (in Grenoble)
- Stunden auf dem Rad: 87,5
- Anzahl Platten: 0
- Anzahl Stürze: 1 (so ein Mist)
- Anzahl technische Defekte: 0
- sonstige Verluste: 0
- Schäden: 0
- Durchschnittsverbrauch an Getränken pro Tag: 4 Liter
- Anzahl Regentage: einer plus ein halber (weiteren Regentag durch Zugfahrt geschwänzt)
- Durchschnittspreis für ein Einzelzimmer: 80 EUR (in der Schweiz viel zu teuer!)
- Durchschnittspreis für einen Café au lait: 2,50 EUR
- Durchschnittspreis für ein Baguette: 90 Cent
- Typisches Frühstück, wenn nicht im Hotel: 1 Café au lait, 1 Pain au chocolat
- Hundeangriffe: keiner! (gab's noch nie!)
- um Wechselgeld beschissen worden (bewusst): 1 mal (in der Schweiz).
- von der Polizei angehalten worden: 0 mal
- andere Radreisende gesehen: 2 mal
- Rennradfahrer gesehen: > 200 (nur samstags und sonntags)
- Rentner-Radfahrer am Bodensee gesehen: über 200
- Alltags-Radfahrer in Frankreich gesehen: < 30
- Anzahl unfreundliche Hoteliers und Barpersonal: keine
- Anzahl freundliche Leute: 1.452

- Anzahl tolle Erlebnisse und unwiderrufbare Eindrücke: > 1 Mio.

Resümee Frankreich

Frankreich hat mir sehr gut gefallen.

Ich war natürlich auch schon ein paar Mal da, aber das letzte Mal ist auch schon länger her. Ich hatte es bezüglich der Freundlichkeit schlechter in Erinnerung, aber wahrscheinlich haben wir uns eher zum Negativen entwickelt - deshalb fällt es einem wohl viel mehr auf, wenn die Menschen in anderen Ländern viel freundlicher und respektvoller miteinander umgehen...

Was mir gut gefallen hat:
- sehr freundliche und hilfsbereite Leute
- dass man noch Zeit für ein Lächeln hat
- dass man sehr höflich und respektvoll miteinander umgeht
- dass man beim Wechselgeld nicht beschissen wird
- dass die Baguettes und Croissants sehr viel besser als in Deutschland schmecken
- die familiären Logis de France-Hotels
- dass auch der Massentourismus noch ein gewisses Niveau hat
- dass ein Abendessen immer ein gepflegtes Ereignis ist
- dass mittlerweile recht viel für Radfahrer getan wird
- dass im Wesentlichen Abstand beim Überholen gehalten wird.

Was mir nicht gefallen hat:
- die riesigen Industriekomplexe in der Nähe von Marseille


Wieder zu Hause!

Ich bin wieder da. Soeben angekommen.

Der Kühlschrank ist leer. Deshalb sitze ich erst mal in meinem Lieblingscafé um die Ecke und esse ein Stück Kuchen.

Spätestens am Montag werde ich gefragt: wie war die Tour? - Ich glaube, ich muss das erstmal sacken lassen. Wahnsinnig viele Eindrücke von ganz unterschiedlichen Landschaften und ganz unterschiedlichen Städten und Menschen.

Wie kann man die Postkarten-Schweiz, die Alpen, die Provence, die Camargue und die französische Mittelmeerküste in zwei Sätzen zusammenfassen? - Das geht einfach gar nicht.

Jede Region hat ihren eigenen Reiz. Jede Region hat ihre typischen Besonderheiten.

Beim Radfahren erlebt man diese sehr intensiv. Der Weg ist das Ziel. Nicht Autobahnen, auf denen man an allem vorbeirauscht, sondern kleine Nebenstraßen, auf denen man alles aus nächster Nähe betrachten kann.

In einer Geschwindigkeit, die es einem erlaubt, jederzeit stehen zu bleiben und die Wunder des Lebens zu entdecken und genießen zu können.

Die Langsamkeit neu zu entdecken. Im wahrsten Sinne des Wortes zu "erfahren", wie viel Landschaft und wie viele Details zwischen hier und Südfrankreich liegen - eine Strecke, die man mit dem Flugzeug problemlos im zwei Stunden zurücklegen kann, für die ich aber drei Wochen gebraucht habe.

Zu erfahren, wie lange die Menschen vor hundert Jahren gebraucht haben mögen, um eine solche Strecke zurückzulegen, und wie beschwerlich es gewesen sein mag.

Zu sehen, wie die Menschen passend zu ihrer Region leben: von Kühen und Milchproduktion in der Schweiz, vom Weinanbau in der Provence oder vom Fischfang am Mittelmeer.

Und zu sehen, wie sich diese ursprünglichen Lebensformen heute weiterentwickelt haben: Die Hightech-Metropole Montpellier, der Touristen- und Wallfahrtsort Saintes Maries de la Mer oder das nur vom Flughafen Marseille lebende Vitrolles.

Landschaften, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: der Bodensee, die Schweizer Alpen, der Genfer See, der Pilatus, die Provence, die Camargue, ...

Menschen, die sehr unterschiedlich sind: die eigenwilligen Schweizer, die stolzen Franzosen, die Touristen am Mittelmeer, die Pferdezüchter in der Camargue, die Weinbauern in der Provence. Unendlich ließe sich diese Liste fortführen.

Jede Radtour hat etwas von Jakobsweg: authentisches Leben zu erfahren, außerhalb von künstlichen Spieleparadiesen und Shoppingcentern...

Hm. Und was antworte ich nun auf die Frage am Montag "Wie war die Tour?"

See 100 ;-) - Kleewoog Gräfenhausen



Vitrolles: Was für ein Zufall!

Auf meinem Weg vom Flughafen nach Darmstadt bin ich durch Mörfelden-Walldorf gekommen - und habe gesehen, dass Mörfelden-Walldorf ausgerechnet mit Vitrolles verschwistert ist - dem Ort, wo ich heute noch übernachtet habe...!  

Nicht ganz

Naja - nicht ganz: die A5 war es nicht, sondern eher Wege wie dieser.

A5

Nun noch 32 km. Über die A5 nach Darmstadt.

Da!

Ich bin gelandet.

Nun noch das Fahrrad am Sperrgepäckschalter abholen und erstmal wieder auspacken. 10 Meter Luftpolsterfolie habe ich verwendet. Und mindestens eine halbe Rolle Klebeband - beides übrigens in sehr schlechter Qualität: das Klebeband ist ständig gerissen und bei der Luftpolsterfolie war in den meisten Luftblasen gar keine Luft mehr drin - was natürlich den Schutzeffekt auf ein Minimum reduziert. Muss man nun schon an Luft sparen???

Nach dem Auspacken zusammenbauen: Die Pedale müssen wieder angeschraubt werden, der Lenker wieder in Fahrtrichtung gedreht und der Sattel hochgestellt werden. Dann ein Check, ob alles in Ordnung ist und letztlich Satteltaschen drauf und Helm auf.

Die Leute haben schon komisch geguckt, als ich in voller Ausstattung aus der Sicherheitssperre am Flughafen kam... ;-)

Flug Marseille - Frankfurt

Alles bestens geklappt - mit einem Super-Anflug auf Frankfurt: Vor der Landung ging es auf gleicher Höhe durch Schäfchenwolken - aus nächster Nähe ein phantastischer Anblick, wenn Berge von Wolken wie Riesen-Watte vor einem auftaucht, man mitten hindurch fliegt, dann wieder die Sonne auftaucht und immer neue Licht- und Schattenformationen bringt. Einfach phantastisch!

Auch nach zig Flügen ist Fliegen immer noch etwas Besonderes. Auch wenn ich frequent Traveller wäre, würde ich wahrscheinlich immer noch bei jedem Flug aus dem Fenster schauen und das Wunder des Fliegens betrachten. Einfach genial.

Closer

Klatsch und Tratsch für Norbert. Jürgen ist auch ganz fasziniert.

Nach dem Check-in

So - der Check-in liegt nun hinter uns. Es war wie immer etwas abenteuerlich.

Begonnen hat der Morgen ganz normal. Wir haben gefrühstückt und die letzten Sachen zusammengepackt.

In dem Moment, wo wir die Sachen inklusive Fahrrad nach unten bringen wollten, gab es einen Alarm: alle sollten das Hotel verlassen.

Das blöde daran: die Aufzüge haben nicht mehr funktioniert. Ich also das Fahrrad aus dem zweiten Stock ins Erdgeschoss getragen. Danach die Satteltaschen.

Unten dann entsprechendes Chaos. Keiner wusste was.

Irgendwann hieß es dann, es sei ein Fehlalarm und wir konnten auschecken.

Ich war etwas geladen. Ich lasse mir bei jeder Übernachtung einen Stempel des Hotels geben. Als Erinnerung an die Orte, wo ich überall schon mal war. Als ich dies auch hier getan habe und die Dame dann meinte, das sei das erste Mal, dass jemand einen Stempel verlangt, sagte ich ihr, ich sei Hoteltester - woraufhin sie mich extrem freundlich verabschiedete... ;-)

Es gab einen Shuttle-Service zum Hotel. Der Fahrer wusste leider nicht, wie man die Sitze umklappt. Also haben wir das Velo quer auf die hinteren sechs Sitze gelegt und uns daneben irgendwie reingezwängt.

Als das geschafft war, ging es zum Check-in. Ein gelangweilter Check-in-Mitarbeiter hat unsere Gepäckstücke entgegen genommen. Die Beförderungsgebühr für das Fahrrad musste ich noch bezahlen. Laut Lufthansa sind dies 50 EUR - haben wollte die Dame zunächst 80 EUR - nach meinem Protest hat sie sich dann auf 60 EUR herunterhandeln lassen. Angeblich gäbe es eine Taxe en France - deshalb seien es hier 60 EUR. Die Dame hat natürlich kein englisch und erste recht kein deutsch gesprochen, weshalb weitere Diskussion schwierig war. Wieder ein Grund für eine Reklamation bei Lufthansa. Zum Kotzen.

Nachdem ich bezahlt hatte, konnte ich dann immerhin das Fahrrad am Sperrgepäckschalter aufgeben, was recht problemlos geklappt hat. Das Fahrrad wurde durch einen Riesenröntgenapparat durchschoben...

Jetzt sitze ich in einem ausgesprochen leeren Flughafen und warte auf den Flug.