Donnerstag, 6. September 2012

Schloss mit Satellitenschüsseln

Le café

La Mure

Hm. Witziger Ort irgendwie. Aber auch ziemlich verfallen.

La Mure ist ein kleines Zentrum in dieser ansonsten sehr dünn besiedelten Gegend. Hier kreuzen sich zwei Hauptstraßen.

Während ich diesen Bericht schreibe, sitze ich draußen in einem Café an einer Straßenkreuzung. Ein Auto folgt dem anderen, zwischendrin mal ein Lkw oder ein Bus. Es ist laut. Hinter mir ist eine große Kirche, fast eine Kathedrale. Eigentlich viel zu groß für diesen Ort.

Neben mir ist es nicht weniger leise: in diesem Café treffen sich die Einheimischen: Küsschen hier und Küsschen da, und viel "Comment ça va". Dann wird lautstark erzählt, ohne Punkt und Komma. Die Zigarette ist immer dabei. Hier ein Café, da ein Schnaps. Jeder kennt sich. Touristen gibt es so gut wie keine.

Dabei hätte der Ort durchaus das Zeug dazu: es gibt einen alten Turm, ein Museum, eine uralte Markthalle mit Säulen aus Stein und ein Schloss, in dem aber offenbar Wohnungen sind: es sind Satellitenschüsseln an den Fenstern und im Schlosshof spielen Kinder Fußball.

Das Stadtbild ist durchaus interessant: die Häuser sind schmal und kleben aneinander, sind aber allesamt in einem erbärmlichen Zustand. Der Ort könnte auch in der Slowakei oder in Polen sein, in einer Gegend, die von der Wende noch nicht erfasst wurde.

Für mich eine vollkommen unbekannte Gegend. Dass dieser Ort auch in den Alpen liegt, die ich an vielen anderen Stellen recht gut kenne, wird mir erst auf den zweiten Blick bewusst.

Klein, kleiner, am kleinsten

Standard Set-up eines kleinen Ortes in Frankreich: Mairie, Ecole und Eglise

Das Tal des Drac mit Stausee (See Nr. 18)

14. Tag: Grenoble - La Mure, 56 km

Für heute war eigentlich Sonne vorausgesagt. Doch es war alles andere als sonnig.

Heute ging es in die Berge. Zunächst ging es an stark befahrenen Straßen - aber auf Radwegen! - aus Grenoble raus: mehr als 10 km hat es gedauert, bis ich bebautes Gebiet hinter mir hatte.

Irgendwann bog ich von der Haupt- auf eine Nebenstraße ab. Nun änderte sich die Lage schlagartig: war ich eben noch im Gewusel des Großraums Grenoble, so war ich nun fast vollkommen alleine unterwegs. Vielleicht alle halbe Stunde mal ein Auto.

Es hing eine dunkle Decke von hohem Nebel (oder tiefen Wolken - je nachdem, wie man das sieht) über den Bergen. Nach Regen sah es nicht aus, aber es gab sehr interessante Lichtverhältnisse.

Ich kämpfte mich die Berge hoch. Auf 650 m Höhe hatte ich dann die Wolkendecke erreicht. Nebelschwaden zogen aus dem Tal die Hänge hinauf - ein geradezu mystisches Bild!

In fast vollkommener Einsamkeit ging es eine leere Nebenstraße immer weiter nach oben bis auf 880 m, nur gelegentlich unterbrochen durch verlassen wirkende Bergdörfer oder ein paar Kühe am Straßenrand.

Das Highlight dieser Etappe war der Blick auf den Stausee des Drac: mehr als 400 m über dem See hatte ich einen phantastischen Ausblick auf den grünlich schimmernden, in das Tal eingezwängten See.

Ich war hier vollkommen alleine: man hat die Vögel zwitschern gehört und ein paar Kuhglocken aus dem Tal. Schmetterlinge flogen vorbei und ein Grashüpfer hüpfte über die Straße, die kaum breiter ist, als ein breiter Radweg.

Ein schöner Tag.