Die 100 Seen-Tour. Der Blog zu meiner Fahrradtour durch die Schweiz und Frankreich. 1.300 km über Konstanz - Bregenz - Luzern - Bern - (Genf) - Grenoble - Gap - Sisteron - Aix-en-Provence - Saintes-Maries-de-la-Mer nach Montpellier.
Dienstag, 4. September 2012
12. Tag: Bourget du Lac - Grenoble, 85 km
Es begann damit, dass ich heute Gegenwind hatte. Der Wind hatte gedreht und blies nun kräftig von vorne. Für Drachenflieger ideal - ich habe einige gesehen. Für mich aber nichts.
Dann ging es die meiste Zeit auf asphaltierten Wirtschaftswegen zwischen Maisfeldern und Apfelbäumen entlang. Diese Wege waren mit Schlaglöchern übersät und tausend mal geflickt, so dass es ein einziges Gejuckel und Geschaukel war. Highlights fehlten heute.
Ein Highlight im negativen Sinne war mein Besuch im orange Shop in Chambery...
Ich war ja nun in Frankreich und brauchte eine neue SIM-Karte, um z. B. diesen Blog schreiben zu können. Ich hatte mir im Internet schon alles rausgesucht - es sollte also kein Problem sein..
Das erste Problem war, bis zum Shop zu kommen. Chambery ist gar nicht so klein und es ging durch Gewerbegebiete und an LKW-Autohöfen vorbei in die Stadt. Als ich dann wegen Einbahnstraßen noch ein paar Extrarunden gedreht hatte, war ich da.
Doch was war das? - Der Shop hatte drei Verkaufsplätze und vier Mitarbeiter, aber es waren ständig mehr als 10 Kunden da. Eine Mitarbeiterin war nur damit beschäftigt, Nummern zu verteilen.
Als ich dann dran war, zeigte ich meine Ausdrucke aus dem Internet und sagte dem Verkäufer, dass ich das wolle. Er darauf hin: das gibt es nicht. Das gäbe es nur für Bestandskunden...
Ich ihn daraufhin gefragt, was er mir denn sonst anbieten könne? - Zuerst wollte er mit so eine Art USB-UMTS--Modem anbieten. Also ein Extragerät. Ich sagte ihm, dass ich eigentlich nur eine SIM-Karte bräuchte, mit der ich ins Internet und meine Mails abrufen kann.
Nach einigem Nachdenken bot er mir dann eine SIM-Karte und eine Internet-Flat für zwei Wochen für 20 EUR inkl. 5 EUR Guthaben für Telefonate etc. an.
Das hörte sich gut an. Ich fragte noch, ob das auch für E-Mails gilt. Er bejahte das und ich bezahlte.
Vor der Tür habe ich es dann ausprobiert: ich habe meine Karte und meine Flatrate aktiviert und bin ins Internet: alles wunderbar. Dann habe ich mir eine Test-E-Mail geschickt. Die erste ging durch - die zweite nicht mehr. Stattdessen bekam ich eine SMS, dass mein Guthaben von 5 EUR nun aufgebraucht sei... (!) Offenbar gilt die Flat nur für Web, nicht aber für E-Mails. Für mich aber total blöd, weil ich die Blogeinträge per E-Mail sende...
Ich also wieder in den Shop, wieder Nummer ziehen und warten. Ich erklärte ihm das Problem, er schaute in den Bedingungen, und fand sich den Passus, wonach E-Mails mit einem horrenden Betrag in Rechnung gestellt werden...
Wir noch diskutiert, was wir denn nun machen (alles auf französisch, so gut es ging). Er hat dann sein Backoffice angerufen und ich soll nun doch für E-Mail freigeschaltet werden und eine Gutschrift wegen der Unannehmlichkeiten bekommen - aber erst nachdem ich die französische Hotline nochmal anrufe oder nochmal hier in Grenoble im orange Shop vorbeigehe und der Mitarbeiter dies für mich tut.
Was für ein Aufwand!! - Ich war sicher 1 1/2 Stunden in oder vor dem orange Shop.
Entsprechend spät war ich dann auch in Grenoble.
Heute Abend im Hotel habe ich WLAN - deshalb kann ich den Blog überhaupt schreiben.
Mal sehen, wie oder ob die Story mit orange morgen weitergeht...
Sauf Service
Das ist er wieder, der Sauf Service. Aber immer nur die Ausfahrt - wo ist bloß die Einfahrt, wo man was zu saufen kriegt? Jacques??
Le Bourget du Lac
Aber viel los ist nicht: die Urlaubszeit ist vorbei.
11. Tag: Genf - Le Bourget du Lac, 105 km
Wow! Das war ein Tag voll nach meinem Geschmack!
Am Morgen sah es zunächst bedrohlich aus: über Genf hingen dicke Wolken und es schien so, als würde es jeden Moment anfangen, kräftig zu schütten. Später ist es dann aufgeklart und sogar sonnig geworden. Ich bin heute das erste Mal seit langem wieder in kurzen Hosen gefahren.
Zunächst ging es aus Genf hinaus und der Rhone entlang. Glasklares, leicht grünliches Wasser.
Dann ging es auf die Hügel. Am Rhonedurchbruch durch ein Gebirgsmassiv, der zugleich die Grenze zu Frankreich bildet, bin ich in ein paar hundert Metern über der Rhone gefahren - mit immer wieder phantastischen Ausblicken auf das Tal und den grünen Fluss! Wow!
Weiter ging es durch Weinberge, an alten Chalets vorbei.
Im ersten größeren französischen Ort habe ich angehalten und erstmal einen Café au lait getrunken und den alten Männern zugeschaut, wie sie das Weltgeschehen diskutieren... Das liebe ich auf jeder Radtour: kleine, authentische Ortschaften ohne Touristen, in denen Mann das wirkliche Leben spüren kann!
Und dann kam noch der Höhepunkt der Tour: am Lac du Bourget bin ich in über 300 m Höhe über dem Wasser gefahren und hatte einen phantastischen Ausblick auf den See und Aix-les-Bains, bevor es in einer rasanten Abfahrt mit immer neuen Ausblicken hinunter ins Tal ging!
Und das beste an diesem Tag war: Ich war nahezu alleine unterwegs - auf den Nebenstraßen war kaum Verkehr - und außerdem hatte ich die ganze Zeit starken Rückenwind! Ich bin über 100 km gefahren, aber die gingen weg wie nix.
Ja, und das allerbeste kam dann noch am Abend: ich kam in einem eher unscheinbaren Hotel an. Der Blick auf die Karte offenbarte aber, dass es sich beim Hotel-Restaurant um ein sehr gutes Restaurant handeln musste.
Mangels anderer Möglichkeiten und angesichts dessen, dass ich mich die letzten Abende eher von Supermarktabendessen ernährt habe, ging ich also in dieses Restaurant - und ich muss sagen: ich habe lange nicht mehr so gut gegessen!
Vier Gänge, alles sehr lecker und sehr schön angerichtet - dass war noch die Krönung dieses schönen Tages!
Im Kopfradio lief heute "Viva la vida" und "Wir sind geboren um zu leben". Wie wahr!
Heute falle ich so was von zufrieden ins Bett!
Resumée Schweiz
- die große Freundlichkeit der Menschen
- der große Respekt, der einem entgegen gebracht wird
- dass man noch Zeit hat
- dass selbst Menschen in 'niederen' Berufen freundlich sein können
- richtige Brötchen ohne Luft
- die guten Radwege
- die tolle Landschaft
- die Liebe der Schweizer zur Natur
- die Selbstverständlichkeit, mit der die Schweizer verschiedene Sprachen sprechen
Was mir nicht gefallen hat:
- die astronomisch hohen Preise
